Eröffnung am 16. Oktober 2026, 18–21 Uhr
Ausstellungsdauer: 17. Oktober bis 06. November 2026
Was bedeutet der Begriff „Vorhersage“, wenn diese die Zukunft nicht nur beschreibt, sondern hervorbringt?
Die Galerie Amelie Conrad freut sich, die Einzelausstellung Prediction Errors des Künstlers Jan Peter Hammer anzukündigen. Sie versammelt eine Auswahl von Arbeiten, die seit den 1990er-Jahren entstanden sind.
Der Titel der Ausstellung bezeichnet Abweichungen zwischen Erwartungen und tatsächlichen Ergebnissen („Vorhersagefehler“), die sowohl in den neuronalen Belohnungssystemen des Gehirns als auch beim maschinellen Lernen eine zentrale Rolle spielen. Sie ermöglichen nicht nur, Erwartungen zu korrigieren, aus Erfahrung zu lernen und zukünftiges Verhalten anzupassen, sondern auch Motivation und Sinnhaftigkeit gezielt zu beeinflussen. Nämlich dann, wenn biografische Identität miterfasst und in eine schlüssige Belohnungsstruktur einbezogen wird. Im Kontext von Überwachungskapitalismus und KI erhalten Prediction Errors eine neue Dimension.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Skulptur Nr. 4 (Scheideweg) [No. 4 (Crossroads)] (1992) und die Videoarbeit Hooked (2019/22, 23 Min.).
Nr. 4 (Scheideweg) geht auf eine Begegnung während einer Reise durch Griechenland im Jahr 1990 zurück. Als Hammer per Anhalter von Delphi nach Athen unterwegs war, zeigte ihm der einheimische Fahrer eine staubige Straßenkreuzung, die angeblich jener Ort sei, an dem Ödipus seinem Vater, König Laios, begegnete. Der eigentümliche Anblick dieses vermeintlich realen Schauplatzes des Mythos, verbunden mit dem paradoxen zeitlichen Status der Prophezeiung der Pythia, – jener seltsamen Rückkopplung zwischen Vorhersage und Ereignis, wurde später zum Ausgangspunkt einer Serie künstlerischer Arbeiten und Beschäftigung mit kybernetischer Beeinflussung.
Hooked entstand aus Hammers Auseinandersetzung mit dem Fall des obdachlosen Daniel P. Dukes, der 1999 im Orca-Becken des Freizeitparks SeaWorld ums Leben kam. Die Arbeit knüpft an die Videoarbeit Tilikum (2013–15) an und untersucht strukturelle Analogien zwischen Gamifizierung, Erkenntnisse der neurowissenschaftlichen Belohnungsforschung und religiösen Vorstellungen. Diese verbindet sie zu einer spekulativen Erzählung über Dukes als vermeintlichen Antihelden.
Ergänzt werden die beiden Arbeiten durch Black-Ball-Line (2007) und Astgewehr [Branch Rifle] (2023) sowie der Videoarbeit Noreia (2024, 60 Min.), die gemeinsam mit Germanus (2026) präsentiert wird. Bei Letzterem handelt es sich um ein
Readymade: einer um 1900 vom Wiener Porzellanhersteller und österreichischem Tourismuspromoter Ernst Wahliss gefertigte Büste.
